Rote Backen
Wahrscheinlich geht es nicht anders, als über Gesichtsverletzungen von Louis Salinger zu diskutieren und deshalb möchte ich diesen Pflichtteil gleich zu Beginn abhandeln:
Helft mir, wenn ich falsch liege, aber ich kann mich nicht erinnern, Clive Owen jemals so lange ohne Blut im Gesicht gesehen zu haben, wie im ersten Teil dieses Films. Abgesehen von einer mehrmals die Gestalt ändernden und dann sehr plötzlich verschwindenden Wunde auf der rechten Backe, die mich - ohne jemals einen dieser Filme gesehen oder eines dieser Bücher gelesen zu haben - unweigerlich an Harry Potter erinnerte, war da nichts. Diese Narbe hat er übrigens daher erhalten, dass ihn ein Rückspiegel eines Lieferwagens zu Boden geschlagen hat. Mein Sich-auf-brutale-Weise-cool-und-grandios-durch-den-Alltag-box-Held bekommt von einem scheiss Lieferwagen auf die Mütze. Ich ahnte schlimmes.
Ein Stein ist mir vom Herzen gefallen, als in einer tollen Schiesserei-Szene die erlösende Kugel dem Clive die linke Backe mitsamt Ohr aufgerissen hat und sich darauf ein herrlicher Schwall Blut über sein Gesicht ergiesst. Danke, böser Junge der so gut getroffen hat, als wäre das von einem Regisseur geplant gewesen...
Clive Owens Gesichtswunden also definitiv kein Kritikpunkt.
Richtigsprech, das
Als Drehbuchautor oder allenfalls Synchronstimmentextkoordinator kann man dem Christoph eine ganz entscheidende Freude machen: Inhalt und Stil von Dialogen müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein. Inhaltlose Klugschwätzerei (Wie zum Beispiel in "Lions for Lambs"), die bei über Mathe referierenden Deutschlehrern Seinesgleichen sucht kann ihm selbst gute Filme total verderben.
"The International" - zumindest in der im Kino Chur gesehenen deutschen Fassung - erfüllt diese Anforderung in jedem Falle. Nach dem aktuellen Stand meines Verständnisses der Welt sind alle Unterhaltungen im ganzen Film optimal. Sehr schön.
Kleines, bemerkenswertes Zückerli hierzu: "che cazzo?" (keine Ahnung wie man das "was zum Zipfel?" auf Italienisch schreibt) wird im Untertitel mit "Was ist denn da los?" übersetzt. Süss.
Cool finde ich auch, dass Tom Tykwer richtigerweise auf Untertitel in Konversationen verzichtet, die zwei Italiener miteinander führen. Er stellt den Inhalt dieser Konversationen jeweils sehr natürlich und alltäglich dar.
Schreckmümpfeli
Etwas weiteres, das ich an Filmen mag ist, wenn ich gnadenlos vor Schreck so richtig zusammenfahre und mir das Herz zum Hirn in die Hosen rutscht. Zwei Mal ist dies der Geräuschkulisse von "The International" geglückt. Grossartig.
Beide Male erstaunlicherweise an vollkommen normalen Szenen, die möglicherweise nicht mal dazu gedacht gewesen wären, Zuschauer zu erschrecken...
Fazit
Um es im Stil des gefuehlskonserve.de - Podcasters Dave Irgendwas zu sagen:
Empfehlung: Schauen!
kommentare
| Chritoph chef.vodr.ch | 17.02.2009 (00:14) |
